Der neue SAP Garden – was wir schon über ihn wissen und was nicht

Wenn alles nach Plan läuft, wird der EHC Red Bull München zur Saison 2022/23 in den neuen SAP Garden einziehen. Vieles ist über die neue Halle schon bekannt, doch einige Fragezeichen gibt es noch. Deswegen gibt es von uns jetzt und hier den Überblick: Die neue EHC-Heimat – was wir schon wissen und was nicht.

Wenn es um das Thema “Neue Eishockey-Halle in München” geht, galt seit Jahren die Haltung: “Bis die Bagger anrollen, glaube ich nicht daran.” Seitdem im Jahr 1999 die Anschutz Entertainment Group (AEG) die Landshuter DEL-Lizenz kaufte und die München Barons aus dem Boden stampfte, lag das Thema auf dem Tisch. Bekanntlich bewies die AEG keine Geduld in puncto Akzeptanz und Zukunftsvision und zog die Organisation bereits 2002 nach Hamburg um, wo die heutige Barclaycard Arena unmittelbar vor der Eröffnung stand. Mit dem Aufstieg des EHC München 2010 gelang der bayerischen Landeshauptstadt das DEL-Comeback und spätestens mit dem Red-Bull-Einstieg 2012 war klar, dass das Hallen-Thema wieder auf den Tisch kommen würde.

Mit dem ambitionierten Basketball-Projekt des FC Bayern wurde schnell ein Mitstreiter für eine neue Halle gefunden. 2015 folgte der 3,8 Millionen Euro teure Abriss des alten Olympia-Radstadions. Währenddessen zogen sich die Planungen für den Neubau im stillen Kämmerlein hin, zwischenzeitlich war der FC Bayern Basketball sogar komplett raus. Doch am Valentinstag 2019 wurde der Siegerentwurf für die neue Arena enthüllt und seit Anfang 2020 rollen jetzt wirklich die Bagger. Die Arbeiten laufen.

© Florian Weiß
Das Modell des SAP Gardens, eingebettet in das des Olympiaparks. © Florian Weiß

Während einige Informationen bereits bekannt sind, gibt es aber (zumindest öffentlich) noch einige Fragezeichen. Daher wollen wir Euch hier einmal einen Überblick liefern, was wir schon über den SAP Garden wissen und was noch unklar ist.

SAP Garden München: Eröffnung, Kosten, Kapazität

Welche Firmen sind am Bau des SAP Gardens beteiligt? Das dänische Architekturbüro 3XN aus Kopenhagen erhielt in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten LATZ+PARTNER den Auftrag zum Bau, die Fassade wird von der FRENER & REIFER Holding AG umgesetzt. Bauherr des Projekts ist die Red Bull Stadion München GmbH. SAP hat sich die Namensrechte an der Arena gesichert und fungiert zudem als Technologie- und Innovationspartner (siehe auch: Acht Startups sollen im SAP Garden das Fan-Erlebnis der Zukunft kreieren). Bayern-Präsident Uli Hoeneß sprach von einer damals noch geplanten “Laufzeit der Vereinbarung zwischen 15 und 20 Jahren”.

Ab wann wird im SAP Garden gespielt? Die Bauarbeiten sind im Frühjahr 2020 angelaufen, man rechnet mit einer Gesamtbauzeit von gut eineinhalb bis zwei Jahren. Der Einzug des EHC Red Bull München sollte bereits zur Saison 2021/22 erfolgen, doch das ist durch Verzögerungen beim Bau unrealistisch geworden. Der Grund dafür sind laut Abendzeitung “Probleme mit kontaminiertem Grundwasser sein, die nicht schwerwiegend sind, aber eben zu einer Verzögerung geführt haben.” Red Bull bestätigte der AZ, dass die Eröffnung für die zweite Jahreshälfte 2022, also zur Saison 2022/23, vorgesehen ist. “Voraussetzung hierfür ist ein planmäßiger Verlauf der Bauabwicklung”, hieß es.

Wie teuer wird der neue SAP Garden? Ursprünglich waren für den Bau 100 bis 120 Millionen Euro vorgesehen, mittlerweile wird von 150 Millionen Euro gesprochen. Damit wäre der SAP Garden auf dem Papier mehr als doppelt so teuer wie der Düsseldorfer ISS Dome oder die SAP Arena in Mannheim (je 70 Millionen Euro), aber ein wenig günstiger als Kölns Lanxess Arena (153 Millionen Euro) und Berlins Mercedes-Benz-Arena (165 Millionen Euro). Da aber bekanntlich jede Währung über die Jahre an Wert verliert, haben wir die Baukosten der großen Arenen aufgelistet und sie unter Berücksichtigung der Inflation auf heutige Preise umgerechnet, um einen Direktvergleich zum SAP Garden zu ermöglichen.

HalleBaukosten (Eröffnungsjahr)so teuer wäre der Bau im Jahr 2020
Lanxess Arena, Köln153 Millionen Euro (1998)207,6 Millionen Euro
Mercedes-Benz-Arena, Berlin165 Millionen Euro (2008)193,9 Millionen Euro
SAP Garden, Münchenvrs. 2022150 Millionen Euro
SAP Arena, Mannheim70 Millionen Euro (2005)86,8 Millionen Euro
ISS Dome, Düsseldorf70 Millionen Euro (2006)85,5 Millionen Euro
Olympia-Eisstadion, München6,9 Millionen Mark (1967)13,3 Millionen Euro

Während es bereits zahlreiche Visualisierungen und ein Video vom Äußeren des SAP Garden gibt, fehlen bis dato Impressionen aus dem Stadion-Inneren – warum? Der Innenraum ist noch nicht fertig konzipiert. Vor allem mit dem Plan der IIHF, die Maße der Spielflächen (60x30m) weltweit an die der NHL (60x26m) anzupassen, kam im Herbst 2019 noch einmal Bewegung in die Planung. Sollte diese Richtlinie tatsächlich beschlossen werden, dürfte auch die DEL diese in ihrem Regelwerk umsetzen. Dementsprechend werden erst Animationen des Innenraums erscheinen, wenn dieser wirklich final konzipiert ist. Übrigens: Alle bisher im Internet auffindbaren Illustrationen zum Hallen-Inneren sind entweder Fan-Entwürfe oder stammen aus nicht umgesetzten Bau-Plänen.

© GEPA pictures/ Red Bull Muenchen
Der neue SAP Garden, von der Landshuter Allee (Mittlerer Ring) aus gesehen. © GEPA pictures/ Red Bull Muenchen

Wie viele Zuschauer passen in den SAP Garden? Laut offiziellen Angaben sollen bei Heimspielen des EHC Red Bull München 10.500 Zuschauer in der Halle Platz finden (11.500 bei Spielen des FC Bayern Basketball durch zusätzliche Sitzreihen am Court), aufgeteilt auf zwei Ränge. Bei einem Treffen zwischen Eishockeyclub und Fanclubs Ende Januar 2020 war allerdings von etwa 11.250 Zuschauer die Rede (ca. 12.500 beim Basketball). Somit wird der SAP Garden die fünftgrößte DEL-Arena nach Köln, Berlin, Mannheim und Düsseldorf und die zweitgrößte der Basketball-Bundesliga nach Berlin sein. In die Garden-Kapazität fließen zudem über 100 Plätze für Rollstuhlfahrer, etwa 1000 Business-Seats und 170 Plätze in elf Logen ein.

SAP Garden München: Block-Aufteilung, Stehplätze, Besonderheiten

Wo werden die Fans des EHC Red Bull München im SAP Garden stehen? Der SAP Garden wird im Gegensatz zum Olympia-Eisstadion und zum Audi Dome nicht in Nord-Süd-Richtung, sondern in Ost-West-Richtung gebaut. Das bedeutet, dass sowohl die aktiven Fans des EHC (Nordkurve am Oberwiesenfeld), als auch die der Bayern-Baskets (Südkurve im Dome) ihre angestammte Fankurven-Lage verlieren werden. Laut Informationen von besagtem Fanclub-Abend des EHC wird die Westkurve die neue Heimat der aktiven Anhänger werden, dort sollen im Unterrang etwas mehr als 2000 Stehplätze geschaffen werden. Zum Vergleich: In der alten Halle standen in Nord- und Südkurve jeweils 2315 Stehplätze zur Verfügung. Noch offen ist die Frage, ob es durchgängige Wellenbrecher wie in der alten Halle oder einzelne, alle zwei bis drei Reihen versetzte Wellenbrecher geben wird.

© 3xn architekten, copenhagen, mit Latz + Partner
Der Eingang Nord des SAP Garden, davor eine kleine Haltebucht für Taxen und Shuttle-Services. © 3xn architekten, copenhagen, mit Latz + Partner

Wo werden die Gäste-Fans im SAP Garden stehen? In der Südost-Ecke finden die Gäste ihre Heimat mit etwa 900 Stehplätzen, die komplett mit Klappsitzen ausgestattet sein werden. Der Vorteil: So können sie problemlos in Sitzplätze umfunktioniert werden, beispielsweise bei geringer Anzahl von Gäste-Anhängern. Übrigens: Bei Bedarf könnte auch die Westkurve komplett mit Sitzplätzen ausgestattet werden. Sollten alle Tribünen beim Eishockey komplett bestuhlt werden, so soll die Gesamt-Kapazität bei 10.150 Plätzen liegen.

SAP Garden München: Nutzer, Größe, Besonderheiten

Wer nutzt den SAP Garden wie intensiv? Die EHC Red Bull München GmbH wird komplett in die neue Arena ziehen und seine gesamte Tätigkeit dort zentrieren. Alle Heimspiele und Trainings finden künftig im Garden statt. Der FC Bayern Basketball wird über 15 Jahre lang Mieter sein und etwa 15 Begegnungen pro Saison in der Arena austragen. Bei zuschauerschwächeren Partien bleiben die Roten im Audi Dome. Ein Umbau von Eishockey- zu Basketball-Spielfeld soll in unter sechs Stunden möglich sein, so wären zwei Veranstaltungen an einem Tag realisierbar. Neben Eishockey und Basketball dürfen bis zu 20 weitere Sportevents sowie 20 sportnahe Veranstaltungen pro Jahr in der neuen Halle durchgeführt werden. Die Landeshauptstadt München wird die Eisflächen im SAP Garden 8.000 Stunden jährlich anmieten, etwa für den öffentlichen Eislauf und den Breitensport.

Wie groß wird der SAP Garden insgesamt sein? Mit einer Bruttogeschossfläche von 62.500 m² entspricht die Größe des SAP Gardens etwa 8,5 Fußballfeldern oder 34 Eishockey-Flächen. In die Halle integriert werden Fanshops, Bars, Restaurants und auch die Geschäftsstelle des EHC. Westlich des eigentlichen Stadions (also in Richtung Mittlerer Ring) entstehen zusätzlich drei unterirdische Eisflächen für Trainingszwecke und für den nichtwettkampforientierten Breitensport.

© Olympiapark München GmbH, OMG
Die Lage der drei unterirdischen Trainingshallen westlich des Stadions ist in diesem Plan deutlich zu erkennen. © Olympiapark München

Welche baulichen Besonderheiten sind noch erwähnenswert? Die Fassade der Halle besteht aus 5.000 m² Aluminium-Glas mit 260 vorgesetzten Finnen aus Aluminium, die bis zu 17 Meter hoch sind. Das Dach des Gardens wird komplett begrünt. Mundlöcher als Blockzugänge wie im alten Olympia-Eisstadion wird es nicht mehr geben, der Zugang zu den Stehblöcken erfolgt wie in der Olympiahalle von oberhalb der Ränge. Ebenso wird es keinen Umlauf direkt an der Spielfläche mehr geben.

Bildquellen

  • 20190503_161549-1: Florian Weiß
  • VARIOUS SPORTS – Sportarena Olympiapark, press conference: GEPA pictures/ Red Bull Muenchen
  • SAP_Garden_Perspektive_Eingang_Nord: 3xn architekten, copenhagen, mit Latz + Partner
  • Baustelleneinrichtung_SAPGarden: Olympiapark München GmbH, OMG
  • VARIOUS SPORTS – Sportarena Olympiapark, press conference: ©GEPA pictures/ Red Bull Muenchen

3 Gedanken zu “Der neue SAP Garden – was wir schon über ihn wissen und was nicht

  1. Danke für das FAQ. Habe mich schon länger gefragt, wie denn die Arena im Inneren ausschaut. Frage, warum es dazu noch nichts gibt, ist nun beantwortet. Hoffe, dass die NHL-Maße Einzug in Europa halten, macht das Spiel deutlich attraktiver (auch wenn der Kostenfaktor natürlich beträchtlich sein wird für die Vereine). Zudem keine Eingewöhnungsphase mehr für Talente aus Europa, die nach NA gehen und faire Wettbewerbsbedingungen bei internationalen Turnieren.

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