Kampf gegen alle Widerstände: Wie die Liebe zum EHC den kleinen Christian (9) antreibt

Der kleine Christian aus Moosburg an der Isar ist seit vielen Jahren glühender Fan des EHC Red Bull München. Schwere Krankheiten und eine Gehbehinderung erschweren ihm jedoch den Alltag immens. Seine Liebe zu den Münchner Kufencracks erweist sich aber als echtes Lebenselixier für den 9-Jährigen.

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, besagt ein Sprichwort. Dass das im Alltag nicht immer leicht ist, das weiß vor allem der kleine Christian aus Moosburg an der Isar. Der 9-Jährige bewältigt sein Leben mit einer schweren Nierenerkrankung und einer angeborenen Hüftdysplasie, was ihm das Laufen immens erschwert. Hinzu kommt ein chronisch hoher Blutdruck.

Keine einfache Situation auch für seine alleinerziehende Dreifach-Mutter Anita, das ist ihr im Gespräch mit „Puck ma’s“ deutlich anzumerken. „Er hat es nicht leicht“, sagt sie leise. Tränenreiche Erinnerungen schwingen mit, als sie vom Schicksal ihres Sohnes berichtet. Allerdings kommen der 36-Jährigen die Tränen vor Rührung und Freude, wenn sie über Christians Eishockey-Liebe spricht.

Per Zufall zum EHC ans Oberwiesenfeld – Christian ist sofort verliebt

Ein ungeplanter Besuch beim EHC Red Bull München im Jahr 2016 sollte ein Meilenstein in Christians noch jungem Leben werden. Eine Freundin Anitas hatte Tickets gewonnen und nahm die beiden mit ans Oberwiesenfeld. Dass ihre Plätze in der Nordkurve und somit im Stehbereich lagen, sollte wider Erwarten kein Problem darstellen. Das medizinische Laufrad konnten sie abgeben und in der Kurve gab es Hilfe von allen Seiten. „Ich habe so viel Unterstützung in der Halle bekommen“, berichtet Anita begeistert. „Christian durfte auf der gelb markierten Treppe sitzen, ein Ordner hat ihm sogar ein Sitzkisten gebracht.“

Beide verloren ihr Herz an das schnelle Spiel mit dem Puck und vor allem an die Kufencracks des EHC. Für Christian wurde die Liebe zum Eishockey ein regelrechtes Lebenselixier, obwohl seine Mutter „mit dem Winter nicht so befreundet“ ist, wie die ehemalige Volleyballspielerin lächelnd verrät.

Mauer und Peterka schenken Christian das Notfall-Trikot mit der 23

Mit Hilfe des Vereins konnte sie mit ihrem Sohn seither einige Spiele der Red Bulls besuchen, doch da die Nachfrage nach Sitzplätzen immens hoch ist, gerät der Ticketkauf schnell zum Wettlauf gegen die Zeit. „Sobald der Spielplan rauskommt, versuche ich uns direkt Karten zu sichern“, so Anita. Oft gab es Tränen, wenn die Karten zu schnell vergriffen waren.

© privat
Christian mit Goalie Daniel Fießinger beim Training der Red Bulls

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist Christian nun Mitglied der “Checkerbande”, dem Kids Club des EHC Red Bull München. Dieser ermöglichte ihm am Faschingsdienstag 2020 einen exklusiven Besuch eines Trainings der Profis mit anschließendem zweistündigem Treffen mit Frank Mauer und John-Jason Peterka in der Bulls Lounge. Oben drauf gab es neben Einträgen in sein Freundebuch auch ein signiertes EHC-Trikot mit der Nummer 23. Dieses Rückennummer wurde in der Saison 2019/20 ohne Namensflock für etwaige Notfallspieler freigehalten, wie Mauer erklärte.

EHC-Star Mauer schickt Christian ein Mutmach-Video ins Krankenhaus

Ende Oktober musste Christian einen herben gesundheitlichen Rückschlag wegstecken. Am 21. Oktober ging es in der Früh direkt ins Krankenhaus – Blutvergiftung, drohende Operation am Darm. Tapfer fuhr er mit dem Rettungswagen alleine in die Klinik, Mutter Anita musste sich notgedrungen noch um seine Geschwister Adrian (7) und Vanessa (11) kümmern.

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Christian mit Mutter Anita auf der Tribüne am Oberwiesenfeld

In dem Wissen um die Liebe ihres Sohnes zu den Münchner Kufencracks wandte sie sich an den Eishockeyclub und fragte, ob man Christian nicht ein paar Mutmacher-Zeilen schicken könnte. „Zwei Tage später kam ein Video von Frank Mauer – das hat Christian im Krankenhaus erstmals ein Lächeln ins Gesicht gezaubert“, berichtet Anita noch immer gerührt.

„Kämpf weiter, du bist eine Inspiration für uns. Wir glauben und denken an Dich“, so Mauer in dem Clip, der für den kleinen Patienten ein echter Mutmacher und Antreiber wurde. Fünf Tage lang musste Christian in der Klinik bleiben, dann durfte er nach Hause. Eine Operation war nicht notwendig geworden, am 6. November gab es endgültige Entwarnung seitens der Ärzte.

“Ein Wunder”: Christian lernt Inlineskaten für seinen EHC-Traum

Wille und Träume treiben den 9-Jährigen ebenso an wie sein EHC-Herz. Sein nächstes Ziel: Einmal als Einlaufkind im Olympia-Eisstadion auf dem Eis mit dabei sein und seine Idole vor voller Halle begrüßen dürfen. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 übt er nun schon trotz seiner Gehbehinderung das Inline skaten – mit Erfolg. „Er ist zwar noch ein wenig wackelig, aber er fährt“, berichtet Anita freudig. „Die Ärzte sprechen sogar von einem kleinen Wunder.“ Geholfen und animiert haben Christian Lernvideos, an denen unter anderem EHC-Stürmer Maxi Kastner mitwirkte.

© privat
Christian mit EHC-Kapitän Patrick Hager

Für ihren Sohn, der wegen Depressionen auch psychologische Hilfe erhält, sei der dreimalige deutsche Meister mittlerweile „fast so etwas wie eine zweite Familie. Er verteidigt den EHC vehement und überall gegen jede Kritik.“ Wie groß Christians EHC-Leidenschaft mittlerweile ist, unterstreicht Anita mit einer Beobachtung: „Er nimmt aktuell seine Tabletten nur, damit er nicht ins Krankenhaus muss und damit er auf gar keinen Fall ein Eishockey-Spiel verpasst.“

Mutter Anita: “Ich kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen”

Eine Dankeskarte für die mental so wichtige Unterstützung ihres Sohnes hat Anita bereits an den EHC Red Bull München geschickt, doch sie wolle ihrer Dankbarkeit auf diesem Weg via „Puck ma’s“ noch einmal nachhaltig Ausdruck verleihen, wie sie sagt. „Ich kann das gar nicht in Worte fassen, das gibt uns so viel Kraft“, so Anita.

Eine Kraft, die Christian künftig noch öfter live schöpfen können wird, denn sobald wieder Fans in die Halle dürfen, werden Anita und ihr Sohn bei jedem EHC-Heimspiel auf der Tribüne sitzen. Trotz der eigentlich sehr langen Warteliste sind sie künftig Inhaber von Sitzplatz-Dauerkarten, der Verein kam den beiden bei der Vergabe entgegen.

Bildquellen

  • Christian-Fiessinger: privat
  • Anita-Christian-Tribuene: privat
  • Christian-Hager: privat
  • Christian-Lounge: privat

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