DEL 2020: Vom angesehenen Corona-Abbruch zum PR-Desaster in weniger als drei Monaten

Die Sommerpause 2020 ist für die Deutsche Eishockey-Liga die wohl unruhigste seit vielen Jahren. Wegen der Corona-Pandemie muss ordentlich gespart werden, die Art und Weise sorgt aber für großen Wirbel. Wir versuchen einen Überblick zu geben.

Was war der Respekt groß vor der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), als sie am 10. März verkündete, wegen der Corona-Pandemie ihre Saison abzubrechen, keinen deutschen Meister zu ermitteln und so Zuschauer und Spieler zu schützen. Drei Monate später ist von diesem Respekt kaum noch etwas übrig, stattdessen ist die öffentliche Kritik an ihr größer denn je. Der Streitpunkt ist die Forderung der DEL, dass alle Spieler auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten sollen, um die Saison 2020/21 und ihre teilnehmenden Organisationen zu sichern.

Etwa 20 Millionen Euro sollen der DEL nach Angaben von Liga-Boss Gernot Tripcke fehlen. Die größte zu drehende Stellschraube im Eishockey sind bekanntlich die Spielergehälter, ohne deren Anpassung droht den Klubs der Lizenzentzug. „Es ist die einzige Möglichkeit, die Fixkosten der Klubs zu reduzieren“, so Tripcke zur Süddeutschen Zeitung.

DEL: Es soll nicht bei den 25 Prozent Gehaltsverzicht bleiben

So simpel war der Plan zunächst in der Öffentlichkeit zu verstehen gewesen, doch dieser geht viel tiefer und stößt den Spielern übel auf, denn es soll nicht bei den besagten 25 Prozent Verzicht bleiben. Das Konstrukt schneidet viel tiefer ein, wie die SZ aufzeigt. Man könnte bereits von einem PR-Desaster der DEL sprechen. Der Plan der Liga: Die Gehälter der Spieler soll eingefroren und anteilig ausgezahlt werden – aber nur, wenn die Organisationen 75 Prozent ihrer Vorjahreseinkommen erzielen können. Das scheint angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage aber nahezu unmöglich. Generell sind 25 Prozent des Gehalts futsch.

Die Crux besteht im Detail. 25 Prozent des Gehalts stehen den Spielern mit Beginn ihres Vertrags zu. Die Akteure sollen bis zum Saisonstart (geplant für 18. September) aber in Kurzarbeit gehen, was eine Reduzierung des Gehalts auf maximal 2900 Euro im Monat bedeutet. Zum Vergleich: Ein besserverdienender DEL-Spieler mit einem Zwölfmonatsvertrag (bei manchen Vereinen gibt es nur Achtmonatsverträge) bekommt 10.000 Euro netto im Monat. Dass das deutlich mehr als 25 Prozent sind, ist offensichtlich. Ob das mit der Kurzarbeit aber überhaupt rechtlich möglich ist, ist zudem alles andere als gesichert.

Spieler erfuhren aus den Medien vom DEL-Plan

 „Was mir daran stinkt, ist dass wir als Spieler viel zu spät darüber informiert worden sind“, sagte Kölns Kapitän Moritz Müller, der im Zuge des Wirbels die Gründung einer Spielergewerkschaft forciert hatte, in der Sportschau am Sonntag. „Bis auf einzelne Gerüchte, die man vorher durchsickern hören hat, haben wir den Großteil der Corona-Klausel aus der „Eishockey News“ erfahren. Die Liga hat irgendwann mitbekommen, dass wir Spieler uns mobilisieren und uns gemeinsam eine Stimme verpassen und uns dann zu einem Gespräch eingeladen.“

Bisher haben Wolfsburg, Bremerhaven, Augsburg und Iserlohn dem Modell der DEL zugestimmt, alle anderen Vereine (darunter auch der EHC Red Bull München) nicht. Vor allem in München, Mannheim und Köln soll es rumoren. Das Problem: Die per Unterschrift abzugebende Zustimmung jedes Akteurs zum Gehaltsverzicht ist elementarer Bestandteil der DEL-Lizenzierung für die Spielzeit 2020/21. Man hört Worte wie “Erpressung” oder Willkür” in diesem Zusammenhang.

“Ich denke nicht, dass es eine Patentlösung für alle möglich ist”

Generell sind die Spieler zu Verzichten bereit, aber eben nicht mit einer von der Liga auferlegten Einheitsregel. Spitzenteams wie der EHC Red Bull München oder die Adler Mannheim haben einen Etat von etwa 15 Millionen Euro, kleine Teams wie Bremerhaven nur von fünf Millionen Euro. „Es gibt ganz unterschiedliche Vertragsmodelle bei Spielern und ganz unterschiedliche wirtschaftliche Situationen bei den Klubs“, erklärt Müller. „Ich denke nicht, dass es da möglich ist, eine Patentlösung für alle anzuwenden. Das war der Grund, warum wir uns in der Verantwortung gesehen haben, da aktiv mitzusprechen.“

Ob der Saisonstart Mitte September möglich ist, erscheint unsicher – auch weil unklar ist, ob dann schon wieder Zuschauer in die Hallen dürfen, deren Gelder für die Organisationen überlebenswichtig sind. „Unser Ziel muss es bleiben mit vollen Kapazitäten in den Hallen zu spielen“, sagte Mannheims Geschäftsführer Daniel Hopp zur Rhein-Neckar-Zeitung. Er ist auch Betreiber der SAP Arena, in der die Adler spielen. „Spiele vor 1000 Zuschauern sind keine Option, über 5000 oder 6000 kann man für eine kurze Zeit nachdenken“, meint er.

DEL-Klubs wohl im Kollektiv zur Zustimmung gezwungen

Ein späterer Saisonstart erscheint möglich, die Champions Hockey League (CHL) verschob ihren Start schon auf Oktober und passte den Spielmodus an. Fakt ist: Die DEL Betriebsgesellschaft mbH ist ein Zusammenschluss der 14 Klubs, die nur durch diese existiert. Ihr Chef Gernot Tripcke ist somit indirekt eigentlich ein Angestellter der Organisationen, der ihnen durch das Sparkonzept aber quasi die Pistole auf die Brust setzt. Heißt auch, wenn die Vereine dem Konzept nicht zustimmen, gefährden sie die Existenz der DEL, was wohl kaum jemand riskieren wird. Was aber, wenn sich aber die restlichen zehn Vereine (bzw. ein Großteil) wider Erwarten doch querstellen sollten? Ein Szenario, dessen Folgen kaum absehbar wären.

„Ich wünsche mir, dass wir mit Vollvisier vor Zuschauer am 18. September Eishockey spielen“, meint Moritz Müller. Dem kann man sich nur anschließen, denn es wünscht sich wohl jeder Eishockey-Interessierte, dass es endlich wieder um das schnelle Spiel mit dem Puck auf dem Eis geht.

Bildquellen

  • ICE HOCKEY – DEL, RB Muenchen vs Eisbaeren: GEPA pictures/ City-Press

Ein Gedanke zu “DEL 2020: Vom angesehenen Corona-Abbruch zum PR-Desaster in weniger als drei Monaten

  1. Soll es die DEL doch zerlegen. München stellt einen Antrag in die KHL aufgenommen zu werden und mit dem Umzug in den SAP Garden siehst Du in München plötzlich Hockey auf absolutem Spitzenniveau. Dann können Bremerhaven, Iserlohn, Augsburg, Straubingen und Co. um die goldene Ananas spielen und jeder ist happy.

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